Mythische Stoffe: Textile Gedankenspiele zum Film „Noah“

Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein Russell-Crowe-Fan bin? „Gladiator“ flimmert jährlich mehrfach über unseren Bildschirm, desgleichen „Master & Commander“. „A Beautiful Mind“ oder „Robin Hood“ – immer wieder gern gesehen. Und sogar (ein bisschen angestrengt wirkend) singend in „Les Misérables“ find ich den Mann klasse! Selbstverständlich also, dass wir uns auch seinen neuesten Film zu Gemüte führen mussten: Das Sintflut-Epos „Noah“.

Mein erster Gedanke: Nun, wir werden alle nicht jünger. (An dieser Stelle, lieber Russell, alles Gute zum 50. – nachträglich!) Aber dafür, dass Noah beim Einsetzen der Flut im 600. Lebensjahr stand, sieht Russell Crowe echt toll aus! Da ich im Arbeitsalltag doch relativ viel Zeit mit Mode verbringe, fällt mein Blick unweigerlich auf die Kostüme der Darsteller – mehr noch auf die der Darstellerinnen. Grobgewebtes und Leder, Stein- und Erdfarben, geschnürt und gebunden, ja, so erwartet man es von einem Urzeit-Epos. Der Mantel mit Knebelknöpfen lässt mich dann das erste Mal innerlich aufhorchen. Dann, verblüffend: Noahs Frau Naameh trägt Feinstrickware, fast sieht das Oberteil gewirkt aus … Dass Emma Watson als Schwiegertochter Ila einen höchst attraktiven, lässig asymmetrischen und transparenten Grobstrickpulli trägt, mag angehen: Schon sieht man sie mit geschnitzten Holzstöckchen, mindestens Nadelstärke 8, auf ihrem gemütlichen Fellbett in der Arche sitzen und an ihrem neuesten Outfit stricken. Freilich schien es mir grobes Glanzgarn zu sein – das zumindest verwundert. Noch stutziger allerdings machte mich ein Oberteil, ja fast eine Bluse Naamehs: seidig feines Gewebe mit Seersucker-Struktur. Äußerst bemerkenswert, was damals modisch schon möglich war!

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Schmeckt’s noch? – Oder die Frage nach dem statthaften Glück …

Ein im wörtlichen Sinne bissiger Kommentar zu meiner „Truthahn“-Kolumne hat mich nachdenklich gemacht – und damit vermutlich das Gewünschte erreicht. Darf mir mein Festbraten schmecken, solange Tiere in Massentierhaltung gequält werden? Diese Frage führt in eine schwindelerregende Gedankenspirale und mit ihr deutlich über die Küchenphilosophie hinaus: Gequälte Tiere sind ja nicht das einzige Problem der Welt! Kinder werden misshandelt, Menschen geköpft, Frauen vergewaltigt, ganze Völker hungern … Wenn also aufgrund der Massentierhaltung mein Braten nicht schmecken darf, kann ich dann guten Gewissens mein Familienleben so glücklich wie möglich gestalten, wo es doch so vielen anderen nicht möglich ist? Reicht es, Geld zu spenden für diverse Hilfsorganisationen, oder kaufe ich mir damit lediglich ein gutes Gewissen? Ist das gute Gewissen dann recht und billig oder nur billig? … ich grüble noch ein bisschen weiter – kehre aber doch wieder zu meiner den Alltag bestimmenden Küchenphilosophie zurück: Was soll ich heute kochen?

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Zwanzig Jahre Pralinenschachtel-Philosophie: Es ist Zeit, wieder einen Tom-Hanks zu vernaschen!

„Mama sagt immer, das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was man kriegt!“ Selten hat ein Film unser Dasein so auf den Punkt gebracht wie der geniale Wurf „Forrest Gump“. Vor 20 Jahren kam der Kassenschlager in die Kinos und Tom Hanks kassierte für die Verkörperung der titelgebenden Hauptfigur einen Oscar (sehr viel verdienter als der für „Philadelphia“ im Jahr davor …). Die Zeit hat diesem liebenswerten Film nichts anhaben können: Jeder von uns findet in den 136 Minuten das, was er braucht! Die einen sehen eine unterhaltsam erzählte Geschichte mit Action und Gefühl (Ein mit diversen Handicaps ausgestatteter Mann stolpert durchs Leben). Andere erfreuen sich an den historischen Anspielungen (Forrest Gump begegnet u.a. John F. Kennedy und John Lennon, kämpft in Vietnam, löst die Watergate-Affäre aus und pusht den Startup Apple) oder deren tricktechnischer Umsetzung (auch für die Spezialeffekte gab’s einen Oscar!). Literarisch ambitionierte Betrachter fühlen sich an Simplizissimus und den Entwicklungsroman erinnert (Mit einem IQ von 75 bringt Forrest Gump die besten Voraussetzungen mit, Komplexes außer Acht zu lassen und die Welt gerade dadurch perfekt zu erklären). Menschenrechtler sehen ihre Themen mit Fingerspitzengefühl thematisiert (erfülltes Leben mit Behinderung, psychische Folgen sexuellen Missbrauchs). Amerika-Skeptiker finden ihre Vorurteile bestätigt (Als berühmter Footballspieler absolviert Forrest Gump ein Universitätsstudium komplett IQ-unabhängig). Die Musik hat damals keinen Oscar bekommen, aber wir hören die CD mit dem Mix aus Oldies und luftiger Feder-Tanz-Musik immer wieder gerne!

Oder man schaut „Forrest Gump“, um sich einfach mal wieder an den Schauspielkünsten eines Tom Hanks zu erfreuen! Wobei seine schier endlos lange Filmliste noch weitere Schmankerl zu bieten hat: Meine Favoriten sind „Scott & Huutsch“ (für alle, denen schnürsenkellanger Sabber aus dem Maul eines Hundes nichts ausmacht), „The Green Mile“ (ein klarer Beweis dafür, dass bei Stephen King die Verfilmungen meist Klassen besser sind als seine Bücher) und „Cast Away“ (eine Robinson-Crusoe-Geschichte von heute, die – bei genauerer Überlegung – einmal eine eigene Kolumne verdient!!!).

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Na warte Truthahn, Weihnachten kommt bestimmt!

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Ja, jetzt guckst du frech, läufst mir vor den Füßen rum und pickst nach imaginären Körnern. Aber warte nur, balde … Die Herbstanzeichen und damit die Hinweise auf den kommenden Winter sind unverkennbar: Draußen rieseln die Blätter, die ersten Autoscheiben mussten früh schon freigekratzt werden und abends, oje, wird es schon ab 19 Uhr dunkel, und das, obwohl die Zeitumstellung ja noch gar nicht war … Ist es da ein Wunder, wenn ich angesichts des üppigen und verführerisch tänzelnden Truthahns an den Festtagsbraten denke? Und an seine Füllung!!! Eine geniale Mischung aus Bratwurstmasse, zerkleinerten Innereien, weißem Pfeffer und Petersilie, Salbei, Muskatnuss. Also lassen wir die warme Jahreszeit ziehen, genießen die herbstlichen Sonnenstrahlen (so sie es durch die Wolken schaffen) und freuen uns auf das, was vor uns liegt … oder gebraten und delikat gefüllt vor uns liegen wird!

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Oda Gräbner von Qiéro!

PS: Mit dem leckeren Essen sollten wir nicht bis Weihnachten warten! Wie wäre es jetzt mit Monikas Kürbissuppe mit Salbei-Croûtons oder mit Katys Amerikanischem Kürbisbrot? Und das sind nur 2 von lauter leckeren Lieblingsrezepten des Qiéro!-Kochbuchs!

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Sprachdenkmäler: Nicht nur Tiere sind vom Aussterben bedroht!

Meine Heimat ist eher ländlich geprägt, der hiesige Dialekt markant und vielfältig, mit nuancierten Abwandlungen alle 150 Meter. Bin ich im nördlichen Deutschland unterwegs, verrät mein Zungenschlag sofort meine Herkunft. Hier zuhause allerdings hören die Einheimischen beim ersten Wort, dass ich nicht wirklich von hier stamme, sondern eine „Reigschlaafte“ bin, wenn auch bereits in zweiter Generation.

 

Weil heutzutage die allseits verlangte Mobilität die Sprachvermengung fördert, gerät mehr und mehr in Vergessenheit, was des Erinnerns doch wert wäre. Wer weiß denn noch, wie die Oma im Hinterhof nach dem Kleinvieh gerufen hat? Kaum einer! Deshalb setze ich im Folgenden ein tierisches Sprachdenkmal:

Wiebella              =             kleine Gänse

Dilla                      =             kleine Enten

Gluugella            =             kleine Hennen

Ziebella               =             eierlegendes Huhn

Hebbes                =             kleine Ziegen

Moggella            =             Kälber

 

Wäre doch schade, wenn das keiner mehr wüsste, oder?

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Ausflugstipp: Es gibt so tolle Zoos, aber …

Ich bin mir darüber im Klaren, dass meine Vorliebe für Zoologische Gärten angreifbar ist. Hinter Gittern ist nie schön, ganz gleich, ob es sich um eine Seifenoper, um die vorübergehende und hoffentlich erziehungswirksame Unterbringung eines Fußballmagnaten oder um das Einsperren eben von Tieren zwecks ständiger Beglotzverfügbarkeit handelt. Das zumindest im Unterbewusstsein vorhandene Schuldgefühl steigert sich vor den Käfigen und Anlagen der Menschenaffen so stark, dass ich diese inzwischen bei meinen Besuchen weitgehend ausspare … Es schleicht sich der Gedanke ein, dass es dieser Spezies in erlebbarer Zeit möglich sein wird zu kommunizieren: „Warum habt ihr uns eingesperrt und von früh bis abends mit eurem indiskreten Gaffen verfolgt?“ Nein, dem Augenkontakt mit diesen Tieren halte ich schon nicht mehr stand.

Auch wenn die Entfaltungsmöglichkeit der tierischen Insassen gar zu eingeschränkt ist, tauchen unmittelbar Rilkes Verse auf:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, daß er nichts mehr hält. / Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt.

Zum Glück sind inzwischen die meisten Tiergärten deutlich artgerechter gestaltet als damals der Pariser Botanische Garten, in dem Rilkes Panther sein äußerst beschränktes Dasein fristete. Und wir sind ja auch in der Lage, uns die Zoos nach diesem Kriterium auszusuchen:

Im Tierpark Hagenbeck in Hamburg habe ich trotz Sommerhitze die glücklichsten Pinguine in einem Zoo entdeckt: Sie dürfen in einer riesigen Kühlhalle leben und rutschen munter übers Eis, statt apathisch auf erträglich kalte Zeiten zu warten.

Das Gondowanaland des Leipziger Zoos ist eine beeindruckende Glaskuppel, in der die Gehege so weiträumig sind, dass die Tiere sich auch den Blicken der Besucher entziehen können. Wenn dann die Tapirmama trotzdem ihr erst zwei Tage altes Tapirkind demonstrativ in Sichtweite spazieren führt, dann muss sie sich dort wohlfühlen, oder?

Für den Zoo in Hannover sollte man einen ganzen Tag einplanen! Einige Gehege dürfen die Besucher betreten und hier mit den Tieren auf Tuch- oder besser auf Fell- und Federkleidfühlung gehen. Ein Pelikan, der mich verfolgt, um noch ein bisschen weiter gestreichelt zu werden, kann nicht sooo unglücklich sein, denke ich.

Und ob Erfurt oder Nürnberg: Welchen Zoo ich in den letzten Jahren auch besucht habe, überall wird versucht, die Bedingungen für die Tiere zu verbessern. In manchen werden sogar Arten erhalten, die es in der freien Wildbahn nicht geschafft haben …

 

Bis Klick-mich-nächsten-Dienstag

Oda Gräbner von Qiéro!

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