24. Januar 2012
· Kategorie Qièro!: hinter den Kulissen
Den kürzesten Tag des Jahres haben wir schon wieder einen Monat hinter uns, draußen wütet bereits Ende Januar Aprilwetter mit beständigem Wechsel aus Sonnenschein, Graupelschauer, Schneetreiben und Bindfadenregen, am Firmament zeigt sich der Löwe (hab ich aus der Zeitung, denn von Sternzeichen weiß ich sonst rein gar nichts!) und: UND wir haben die Winterfarben satt!!!
Super Timing, dass der neue Qiéro!-Katalog ins Haus kommt: Mit ganz, ganz vielen Brauch-ich-, Will-ich- und Das-steht-mir-bestimmt-auch-gut-Kleidungsstücken! Ich bin mir zwar schon darüber im Klaren, dass es für viele der schönen Teile und Teilchen noch etwas frisch ist … Aber warum nicht im Lagenstil die Frühjahrsmode über die wärmeren Klamotten drüber und so mit fröhlichen Farben, blumigem Druck und farbenfrohen Mustern den Winterblues vertreiben?
Mein Bestellzettel ist jedenfalls schon wieder (bedenklich?) lang. Und bei den Klamotten bleibt’s ja auch wieder nicht: Ich werde die Terrassendeko trotz noch bestehender Frostgefahr schon jetzt bestellen und einfach noch etwas einlagern. Bei den Ganzjahres-Haushalts-Helferchen oder Leben-genießen-leicht-gemacht-Ideen kann ich ja sowieso zuschlagen …
Eine Seite im Katalog stimmt mich allerdings tooootaaaaal traurig: Seite 114/115 mit dem versammelten Qiéro!-Mädels … ohne mich … buhuhh. Doch zum Zeitpunkt des Fotoschießens war ich ein paar Hundert Kilometer zu weit nördlich. Selbst schuld also. Aber dank Coriena-Chefin durfte ich mich doch noch verbal einklinken: So ist der Qiéro!-Katalog doch wunderbar komplett!
Bis Klick-mich-nächsten-Dienstag
Oda Gräbner von Qiéro!
17. Januar 2012
· Kategorie Familie
Menschen sind merkwürdig, Familien auch. Da bringt man Kinder auf die Welt, versucht mühevoll ihnen Halt zu geben, sie zu selbstständig handelnden und im Idealfall auch denkenden Persönlichkeiten zu erziehen und wenn sie dann nach jahrelanger Arbeit so weit sind, dass sie selbstständig handeln und im Idealfall auch denken, dann … dann steht man da und sie sind weg.
Eine kleine Kostprobe davon, wie das sein wird, bekommen wir gerade. Unsere Erstgeborene ist mit ihrer Klasse eine Woche zum Skifahren. Ich thematisiere an dieser Stelle nicht, was dies für eine Nicht-Skifahrer-Familie an finanziellem, organisatorischem und nervlichem Aufwand bedeutet. Nein, das Thema ist vielmehr die plötzliche und übermächtige Nicht-Anwesenheit eines Familienmitglieds: Wir sind schmerzhaft unkomplett! Das mag merkwürdig klingen, denn unsere Tochter ist sonst ja auch nicht ständig da. Sie ist jeden Morgen in der Schule und nachmittags oft bei Freundinnen und letzteres durchaus auch über Nacht. Trotzdem ist sie jetzt viel mehr weg als sonst. Obwohl ich gewöhnlich vormittags auch alleine an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer sitze, ist das Haus heute stiller. Noch offensichtlicher ist die Lücke, wenn der Rest der Familie beisammen ist: Es fehlen die aufmüpfigen Widerworte der Tochter, es fehlt die Schwester zum Zanken.
Dieser Vorgeschmack auf das Kinder-aus-dem-Haus-Alleinsein nutzen mein Mann und ich uns zu fragen, wie das eigentlich in grauer Vorkinderzeit war. Eine gefühlte Ewigkeit ist das her. Waren wir in unserer Zweisamkeit denn damals komplett? Wohl nicht, aber wir wussten es nicht. Noch nicht.
Bis Klick-mich-nächsten-Dienstag
Oda Gräbner von Qiéro!
10. Januar 2012
· Kategorie Lebensart
Gestern meinte ein im Allgemeinen sehr netter und geistreicher Bekannter allen Ernstes zu mir, es sei herzlos, den armen Wecker meines Mannes in die Sockenschublade zu verbannen. Die sich dort ohne Zweifel befindlichen Fussel würden dem Gerät sicher Schaden zufügen. Dass der penetrant tickende Wecker das mit dem Nachttisch verbundene hölzerne Rahmengestell des ehelichen Doppelbettes tückisch als Resonanzkörper nutzen und mich so mit pünktlich sekündlich wiederkehrendem Tick, Tack, Tick, Tack um den nächtlichen Schlaf bringen würde, diese Argumentation ließ er nicht gelten. Seine Frau hingegen verstand mich sofort!
Das mag daher kommen, dass sie immerhin von zwei Weckern ihres Mannes belästigt wird. Zwei? Meiner Nachfrage gab er unumwunden zu, dass es ihm zu kompliziert sei, die Weckzeiten je nach Wochentag zu verstellen, und er deshalb für unterschiedliche Aufstehzeiten unterschiedliche Wecker benötige. Zwei sei schon ein Zugeständnis, denn wenn er exakt planen und alle Ausschlafmöglichkeiten ausschöpfen wolle, müssten eigentlich fünf Wecker an seinem (und damit auch an ihrem) Bette stehen. Leichtes Erstaunen meinerseits. Er, der sich aus dem Nichts eine florierende und international agierende Firma aufgebaut hat, in der er Hallen füllende Maschinen konstruiert für bedarfsgerechte Fertigung von Sonderprodukten aller Art, er kann (oder will) keine Wecker bedienen? Hier winkt die Geisteswissenschaftlerin huldvoll aus dem Fenster ihres Elfenbeinturmes und lächelt überlegen!
Bis Klick-mich-nächsten-Dienstag
Oda Gräbner von Qiéro!
3. Januar 2012
· Kategorie Kunst, Lebensart
Bücher aus zweiter Hand haben ihre eigene Magie. Und damit meine ich nicht nur, dass man am Flohmarkt oder antiquarisch schöne, gebundene Wälzer erwirbt, die man sich neu vermutlich nicht ohne Weiteres geleistet hätte. Vielmehr ist es das faszinierende Gefühl, ein Stück Geschichte des Vorbesitzers gleich mit zu kaufen. Manchmal hat der Vorleser geraucht, wobei Zigaretten, Zigarren und Pfeife ihren jeweils ganz eigenen Geruch mitbringen – ein Loriot-Buch hat unser ganzes Arbeitszimmer mehrere Tage zart aromatisiert. Manchmal finde ich Unterringelungen oder gar Kommentare, die eine zusätzliche Sicht auf das Gelesene ermöglichen. Manchmal ergänzen alte Zeitungsausschnitte den Inhalt der Bücher …
… und entwickeln die in unserer Bibliothek zusammengekommenen Bücher ihre eigene Dynamik: Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm ich mir neulich mal wieder ein, zwei Stündchen Zeit, um an einem Sonntagvormittag den Flohmarkt in unserem Städtchen zu durchforsten. Hier eine kleine supersüße grüne Vase, dort zwei stylische 60er-Jahre Schüsseln, 5 schnörkelige alte Schlüssel (die zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zum verwaisten Schloss meiner Holztruhe passen werden, aber sich auch als Deko an der Wand schön machen) und Bücher, Bücher, Bücher. 2 Uraltbücher über den Ersten Weltkrieg wurden zum spontanen Zusatz-Weihnachtsgeschenk für meinen Vater befördert. Ein gebundenes Büchlein von Carl Zuckmayer konnte ich für 50 Cent nun wirklich nicht einfach so liegen lassen. Und dann war da noch der Bildband mit der Rückenaufschrift in goldenen Lettern: Michelangelo. Zu diesem begnadeten Künstler bin ich seit einem Geburtstagsgeschenk meines Mannes zwar reichlich eingedeckt – wenn er mich mal loswerden will, kann er mich beiläufig mit dem Wälzer erschlagen. Dennoch schnappe ich mir das weinrote Buch – nur so mal zum Anschauen – und auf Flohmärkten wird mit den Händen geschaut. Schon beim ersten Aufschlagen stutze ich: Dieses Gemälde scheint mir reichlich untypisch für Michelangelo. Das nächste auch. Also doch schnell das Titelblatt bemühen: Und siehe da, das Buch handelt von Goya, ist auf dem Buchrücken falsch beschriftet und wird sofort von mir gekauft, denn Goya ist in meiner Kunstbuchsammlung bislang unterrepräsentiert. Zuhause lese ich mich in dem „neuen“ Buch ein und dann zum Thema noch einmal quer in einem vor zwei Jahren antiquarisch erworbenen Überblick zur Geschichte des Gemäldes. Hier finde ich einen vom Vorbesitzer eingelegten Zeitungsausschnitt von 2008: „Das Gemälde ‚Der Koloss‘ ist wohl nicht von Goya“.
Der Zeitungsausschnitt aus zweiter Hand wechselt das Buch aus zweiter Hand und mit fast detektivischer Lust stelle ich also fest: Das auf Seite 43 meiner Neuerwerbung reproduzierte Gemälde stammt weder von Michelangelo (wie der Buchrücken vortäuschte), noch von Goya (wie der Rest des Buches vermitteln wollte), sondern wohl von einem seiner Gehilfen. Ich liebe alte Bücher – sagte ich das schon?
Bis Klick-mich-nächsten-Dienstag
Oda Gräbner von Qiéro!
27. Dezember 2011
· Kategorie Allgemein, Lebensart
Alle Tageszeitungen, alle Zeitschriften, alle Fernsehkanäle, alle, alle, alle blicken zurück auf das nun fast vergangene Jahr 2011. Da halt ich doch mit:
Mein Jahr 2011
Das Verrückteste: nur mit Qiero!-Mütze bekleidet im Dezember in die Ostsee hüpfen!
Das Beste: gefühlte zweitausendeinhundertelf Anlässe zum Lachen, z.B. als eine Bekannte erzählte, wie sie ihrem Mann alte Weihnachts-CDs und von ihm nur halb gelesene Bücher in den Adventskalender packte: zum Wiederentdecken!
Das Glücklichste: Jemanden zu haben, der mitlacht.
Das Schlimmste: blieb aus.
Das Schönste: ging ins Herz und ist dort sicher aufgehoben.
Das Wohltuendste: Normalität aller Art
Das Mächtigste: all die Gesten und Worte der Wertschätzung, Freundschaft und Liebe!
Danke für dieses Jahr und Euch allen das Beste, Glücklichste, Schönste, Wohltuendste und ruhig auch mal das Verrückteste für 2012!
Bis Klick-mich-Dienstag im nächsten Jahr
Oda Gräbner von Qiéro!
20. Dezember 2011
· Kategorie Familie, Lebensart
Die Gesellschaft zur deutschen Sprache hat das Wort des Jahres 2011 gekürt: Stresstest. Das finde ich gerade jetzt sehr, sehr passend, denn allen alljährlich gefassten besten Vorsätzen zum Trotz geraten die letzten Tage und Wochen vor dem weihnachtlichen Fest eben doch wieder viel weniger beschaulich als geplant. Eine Freundin meinte sichtlich entnervt während sie beim Schulbasar am 4. Adventssamstag für einen guten Zweck den Kuchen aß, den sie vorher zu Hause gebacken und dann gespendet hatte, ihr Tag habe einfach zu wenige Stunden. Und tatsächlich: Als halbwegs engagierte Familie hat man bis zum 24. ein beachtliches Pensum an Besinnlich-wie-nie-Feiern zu absolvieren, die gemeinsam mit nicht offiziellen Terminen gekonnt in den sich ein letztes Mal aufbäumenden Schul- und Arbeitsalltag eingewoben werden wollen.
Aber jetzt ist es bald geschafft: Haus geschmückt, Baum gekauft, Pute bestellt, Geschenke besorgt, Geschenkideen an die bedürftige Verwandtschaft verteilt. Stresstest wieder einmal bestanden. Ignorieren wir an dieser Stelle lieber einmal, dass die großen Dramen der Familienzerrüttung oft am 24. erst beginnen, da die von allen Seiten geschürten Erwartungen höchstens im Ansatz erfüllt werden können … Nein, wir lehnen uns jetzt– nachdem wir uns eine große Tasse leckeren Tee gemacht haben – in aller Ruhe zurück, schließen die Augen, denken wohlwollend daran, was wir dieses Jahr doch wieder halbwegs gut hinter uns gebracht haben und klopfen uns ein bisschen auf die Schulter.
Ein schönes Fest
ohne Stresstest
wünscht
Oda Gräbner von Qiéro!