Immer eine Auszeit wert: Städel Museum Frankfurt

Mary Cassatt 002Der Mantel könnte auch von Qiéro! sein: Eine klasse Kombination herbstlicher Naturfarben trägt Lydia Cassatt da, als sie versonnen auf der Parkbank sitzt. Das Muster des Mantels ist nicht genau zu erkennen, na, dafür ist es ja auch Impressionismus! Mary Cassatt hat nicht nur ihre Schwester porträtiert, sondern auch zauberhaft die Melancholie einer ganzen Jahreszeit eingefangen. Die Amerikanerin war die einzige Vertreterin ihres Kontinents auf der Impressionistenausstellung 1881 und eine der fürchterlich wenigen Malerinnen, die gezeigt wurden. Für mich ist ihr Gemälde einer der Höhepunkte der Ausstellung, die bis zum 28. Juni im Städel Museum Frankfurt läuft: „Monet und die Geburt des Impressionismus“. Einer weisen Eingebung folgend, hatten wir Karten im Internet vorbestellt, denn die Schlange der auf Einlass Hoffenden kann schon mal die 50-Meter-Grenze knacken. Drinnen drängt und schiebt man sich, die Luft ist verbraucht. Vor einzelnen Werken häufeln sich die Betrachter mehrreihig: Audioguide und Ausstellungsführer setzen Schwerpunkte.

Keine Frage: Die Ausstellung lohnt sich! Aber ein bisschen erleichtert bin ich doch, als ich durch bin. Wie erholsam ist es da, noch einen Abstecher zum ständigen Bestand des Museums zu machen. Kaum eine Menschenseele ist hier! Und dabei gibt es so herzerfrischend Schönes zu entdecken: Erst auf den zweiten Blick erkennt man in der Skulptur „Aetas Aurea“ die junge Frau, die liebevoll ihr Kind küsst. Aristide Maillol heißt der italienische Bildhauer, der es geschafft hat, Mutterliebe in Bronze festzuhalten.

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Wunderbar entspannte Modezeiten

Manche bedauern, die Welt sei unübersichtlich geworden. Aber in Bezug auf unser Auftreten bringt das einen höchst vereinfachenden Vorteil: Es existiert nicht mehr die eine Mode, der wir uns unterwerfen müssen. Stattdessen umgibt uns eine Fülle modischer Strömungen und wir picken uns das heraus, was uns besonders gut steht, was uns besonders gut gefällt, worin wir uns besonders wohlfühlen. Die Zeiten von „Das trägt man doch nicht!“ oder „Was, das hast du noch nicht?“ sind glücklicherweise vorbei. Jede Einzelne von uns darf ihren eigenen Stil entwickeln, kann selbst entscheiden, welches Ich sie in der Öffentlichkeit unterstreichen möchte. Natürlich holen wir uns Anregungen, man muss das Rad ja nicht neu erfinden. Aber die Entscheidung für den ein oder anderen Stil liegt nur bei uns – und nie war die Auswahl größer!

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Runde Sache: Nachruf zu Lebzeiten

In Anbetracht der Tatsache, dass ich diese Kolumne ursprünglich dem Fußball verdanke – schließlich wollte Qiéro! ein begleitendes und Kontrastpunkte setzendes Programm zur WM 2010 bieten – fühle ich mich verpflichtet, gedanklich ab und zu zum Fußball zurückzukehren. Und nachdem in der vergangenen Woche zwei Fußballheroen in einem einzigartigen Weitwurfwettbewerb das Handtuch geschmissen haben, ist es jetzt wieder einmal an der Zeit für mich, die Welt rund um den Fußball zu kommentieren. Zwei Männer, die vom Rand des Rasens die Fußballwelt prägten, geben das Feld frei: Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern München. Einmal davon abgesehen, dass der eine Trainer und der andere Arzt ist, überwiegen die Gemeinsamkeiten der beiden Herren!

Beide sehen gleich alt aus: Die Geburtsjahre liegen auch nur 25 Jahre auseinander und fallen rein optisch tatsächlich kaum ins Gewicht.

Beide beeindrucken durch ihre Haarpracht: Nun, bei Klopp ist bekannt, dass er bei der Haarfülle hat nachhelfen lassen. Und Müller-Wohlfahrt ist eben ein laufendes Werbemännchen für die von seiner Firma vertriebenen Nahrungsergänzungsmittel oder hat nicht nur den Fußballern, sondern auch sich selbst sein berühmtes Gemisch aus Kälberblut und Honig gespritzt.

Beide sind ein beliebtes Kameraobjekt abseits des Spielfeldes: Der eine, weil er wie be-klopp-t auf und ab hüpft und ausfällige Kommentare brüllt. Der andere, weil er auch in blutigsten Notfällen selbstgewisse Ruhe ausstrahlt und Ausfälle verhindert.

Und schließlich wollen beide als prägende Kraft hinter dem Erfolg ihrer Mannschaften in Erinnerung bleiben und verlassen deshalb das Schiff, ehe es im Shitstorm versinkt …

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Modisches Comeback: Das Kopftuch ist wieder da!

Zumindest in meiner Familie hat die Rückkehr des Kopftuchs keinerlei religiösen Hintergrund – hoffe ich zumindest, nein, eigentlich bin ich mir da sicher! Es sind rein modische Gründe und eigentlich ist es auch kein Kopftuch im klassischen Sinne. Alles, was ich an alten oder neuen Tüchern und Schals anzubieten habe, wird einer gnadenlosen Auswahl unterzogen: Der frisch-fröhlich gestreifte Schal Gina, den ich diese Qiéro!-Saison erworben habe – zu lang. Das ebenfalls druckfrische Multifunktionstuch – zu feminin und zu rund. Zwei große Tücher aus dem letzten Jahr – zu groß. Und trotz allem werden meine Kinder fündig, wenn auch nicht im Kleiderschrank … Begeistert schnappen sie sich meine blau-weiß bedruckten Stoffservietten, falten sie fachmännisch nach Anleitung irgendwelcher mir nichts sagenden Youtube-Idole und tragen sie stolz: die Tochter ums Handgelenk, der Sohn um die Stirn. So, jetzt ist eigentlich wieder ein Erziehungsziel erreicht: Endlich verwenden sie Servietten.

 

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Oda Gräbner von Qiéro!

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Ich habe 3 Eier

Verblüffend, wie einfach manchmal grundverschiedene und doch beide das Abendland bewegende Themen zu vereinen sind: Ostern und die Griechen! Wer die Seele der Griechen erfassen will – und nur so kann ein freundschaftliches Miteinander in Politik wie privat gelingen –, dem sei der Film „My Big Fat Greek Wedding“ ans Herz gelegt. Zugegeben, die Erforschung des griechischen Wesens an sich ist nur ein wenn auch nicht unbedeutendes Nebenergebnis, denn hauptsächlich geht es für die Zuschauer darum, ungehemmt lachen zu können! Dabei klingt der Plot erst einmal recht gewöhnlich: Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Nia Vardalos hat gewaltig aus dem Nähkästchen geplaudert! Toula, Tochter einer traditionsbewussten griechischen Familie in den USA, ist schon fürchterliche 30 Jahre alt und noch immer nicht verheiratet. Erst emanzipiert sie sich vom Familienrestaurant, bildet sich fort, entdeckt unter der Hässliches-Entchen-Oberfläche ihre ganz persönliche Schönheit, verliebt sich in einen Traummann, der Schwiegermutterherzen höher schlagen lässt – aber eben kein Grieche ist. Zuviel verraten, dass es ein Happy End gibt? Sicher nicht, denn das war zu erwarten. Wie gesagt, der Plot ist es nicht wirklich, der diesen Film so überaus sehenswert macht. Nein, es ist die Umsetzung: Lauter witzige Lieblingsszenen aneinandergereiht! Da ist der griechische Vater, der alle Wehwehchen mit Glasreiniger behandelt und jedes erdenkliche Wort auf griechischen Ursprung zurückführen kann. Da ist die griechische Mutter, die in stattlicher Schönheit ihre Lieben mit köstlichem und vor allem nahrhaftem Essen versorgt und dem Ehemann seine Ideen eingibt. Auch die Tante will kochen und antwortet nach kurzem Stutzen auf das „Aber er ist Vegetarier!“ mit „Das macht nichts, dann mache ich ihm Lamm!“. Und da ist der Bruder, der dem künftigen Schwager und Nichtgriechen eigenwilligen Sprachunterricht erteilt, indem er ihn lautstark auf Griechisch verkünden lässt: „Ich habe 3 Eier in der Hose!“. Und so bin ich nach meinem Filmtipp beim zweiten Thema angelangt: Frohe Ostern!

Oda Gräbner von Qiéro!

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April, April

Natürlich weiß ich, dass auf das Wetter gerade kein Verlass ist. Aber trotzdem: Ich steh vor dem Kleiderschrank, die Sonne blendet gleißend von den nassen Dächern herüber. Noch ehe der Entschluss feststeht, den Griff zum frühsommerlichen Kleid zu wagen, schiebt sich eine Wolke vor die Sonne: So schwer und dunkel, die Sonnenfinsternis neulich war nichts dagegen! Schon seh ich vor dem Fenster die ersten Bindfäden regnen. O.k., vergiss das Kleid, nein, helle Hosen kannst du heute auch im Schrank lassen … „Bepfützte Straßen“ – eine wunderbare Wortschöpfung, die ich Peter Schwaar verdanke, der Carlos Ruiz Zafóns Roman „Der Schatten des Windes“ aus dem Spanischen für uns geborgen hat. Tolles Buch übrigens! Und der Titel so passend zum Wetter … Gerade will ich mich gemäß bepfützten Straßen und schattigen Winden kleiden, da hör ich auch schon die ersten Hagelkörner prasseln. Dann mehr, dann Tausende. Schon weht ihr kalter Hauch durch das gekippte Schlafzimmerfenster. Also gut, ein letztes Mal in diesem Frühjahr werde ich zu Cordhose und Pulli greifen. Entsprechend gestiefelt und gespornt sitze ich am Frühstückstisch und schau der Sonne zu, die hohnlachend auf meine Winterhose scheint.

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Oda Gräbner von Qiéro!

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